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Mit Chronologie: Tugce-Schläger nach Serbien abgeschoben

WiesbadenZweieinhalb Jahre nach dem gewaltsamen Tod der Studentin Tugce Albayrak ist der verurteilte Täter nach Serbien abgeschoben worden. Wie das Amt für Zuwanderung und Integration in Wiesbaden mitteilte, wurde Sanel M. am Donnerstagmittag vom Flughafen Frankfurt aus „nach Serbien zurückgeführt“.

Tugce-Schläger nach Serbien abgeschoben
Das Landgericht Darmstadt hatte Sanel M. im Juni 2015 wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu drei Jahren Jugendstrafe verurteilt. Foto. Fredrik von Erichsen Foto: Fredrik von Erichsen

  Das Landgericht Darmstadt hatte Sanel M. im Juni 2015 wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu drei Jahren Jugendstrafe verurteilt. Der junge Mann hatte die 22-Jährige auf dem Parkplatz eines Fast-Food-Restaurants in Offenbach so geschlagen hat, dass sie auf den Kopf fiel. Wenige Tage später starb die Studentin an den Folgen des Sturzes.

Der Hessische Verwaltungsgerichtshof (VGH) hatte Mitte März in letzter Instanz entschieden, dass der 20-Jährige für acht Jahre nach Serbien ausgewiesen wird. Die Gefahr, dass Sanel M. weitere Straftaten begehe und seine Resozialisierung scheitere, sei angesichts seiner mangelnden Integration in der Bundesrepublik nicht hinnehmbar, argumentierten die Richter in zweiter Instanz und bestätigten damit die Entscheidung der Ausländerbehörde und erster Instanz. Sanel M. ist zwar in Offenbach geboren und aufgewachsen, er hat aber nicht die deutsche Staatsbürgerschaft. In Serbien leben nach Angaben eines seiner Anwälte seine Großeltern; seine Eltern und seine beiden Brüder wohnen im Rhein-Main-Gebiet. 

Die wichtigsten Daten des Falls:

  • 15. November 2014: Die 22-Jährige wird nach einem Streit auf dem Parkplatz eines Schnellrestaurants mit einem Schlag niedergestreckt. Sie schlägt mit dem Kopf auf dem Boden auf. Der 18 Jahre alte Sanel M. wird festgenommen.
  • 26. November: Nach tagelangem Koma im Krankenhaus stellen Ärzte den Hirntod der jungen Frau fest.
  • 28. November: Tugces Eltern lassen die lebenserhaltenden Apparate abschalten - am 23. Geburtstag ihrer Tochter. Vor der Klinik in Offenbach versammeln sich etwa 1500 Menschen und nehmen Abschied.
  • 3. Dezember: Tugce wird beigesetzt.
  • 3. Februar 2015: Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage. Sie wirft dem Sanel M. Körperverletzung mit Todesfolge vor.
  • 24. April: Zu Beginn des Prozesses vor dem Landgericht Darmstadt räumt Sanel M. den Angriff auf Tugce ein. Im weiteren Verlauf des Verfahrens berichten Zeugen, dass sich die Gruppen um Täter und Opfer mehrfach gegenseitig schwer beleidigt hätten.
  • 3. Juni: Nach dem Gutachten eines Rechtsmediziners starb Tugce an einer Hirnblutung. Diese sei Folge eines schweren Sturzes gewesen.
  • 10. Juni: Das Oberlandesgericht Frankfurt verwirft eine Beschwerde gegen die Untersuchungshaft für den Angeklagten. Weil Sanel M. in Deutschland massiv bedroht werde, sei zu befürchten, dass er sich ins Ausland absetze, heißt es unter anderem in der Begründung.
  • 12. Juni: Die Staatsanwaltschaft fordert eine Jugendstrafe von drei Jahren und drei Monaten. Die Verteidigung plädiert auf eine Bewährungsstrafe von einem Jahr. Sanel M. sagt in seinem Schlusswort, die Tat tue ihm leid.
  • 16. Juni: Das Gericht verurteilt Sanel M. wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu drei Jahren Jugendhaft. Der Richter bescheinigt dem jungen Mann «erhebliche Erziehungsdefizite» im Umgang mit Gewalt. Die Verteidigung kündigt Revision an. Vor dem Urteil kommt es im Gericht zu einem Tumult unter Zuschauern.
  • 17. Juni: Das Bundespräsidialamt teilt mit, Tugce Albayrak werde das Bundesverdienstkreuz nicht posthum verliehen. Die engen Voraussetzungen seien nicht erfüllt. Mehr als 300 000 Menschen hatten eine Internet-Petition für die Ehrung unterzeichnet.
  • 22. Januar 2016: Das Urteil gegen Sanel M. ist rechtskräftig. Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe lehnt die Revision ab. Nach 14 Monaten in U-Haft wird er in ein Jugendgefängnis in Strafhaft verlegt.
  • 30. September: Die Ausländerbehörde der Stadt Wiesbaden stellt dem Anwalt von Sanel M. den Ausweisungsbescheid zu, in dem die Abschiebung des jungens Mannes nach Serbien angeordnet wird.
  • 10. Januar 2017: Das Verwaltungsgericht Wiesbaden weist den Eilantrag von Sanel M. gegen die Ausweisung ab. Die Stadt habe zu Recht angenommen, dass von dem mittlerweile 20-Jährigen die Gefahr erneuter Straftaten ausgehe, befindet das Gericht.
  • 20. Januar: Beim Verwaltungsgericht geht die Beschwerde von Sanel M. gegen die Entscheidung vom 10. Januar ein. Der Fall wird an den Verwaltungsgerichtshof in Kassel weitergeleitet.
  • 14. März: Sanel M. darf abgeschoben werden. Der Hessische Verwaltungsgerichtshof bestätigt die Entscheidung der Wiesbadener Verwaltungsrichter. Der Beschluss kann nicht angefochten werden.
  • 20. April: Sanel M. soll abgeschoben werden.

von dpa

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