Ein Angebot aus dem Medienhaus Lensing

Nicht nur Schalke schwächelt: Ein Schneckenrennen: Will keiner nach Europa?

HannoverDie Champions-League-Plätze sind vergeben, doch wer die Bundesliga in der kommenden Saison in der Europa League vertritt, ist noch völlig offen. Der FC Schalke 04 befindet sich in bester Gesellschaft beim Versuch, das internationale Geschäft zu vermeiden. Ooffenbar will niemand in der Europa League dabei sein.

Ein Schneckenrennen: Will keiner nach Europa?
Weder Benedikt Höwedes mit dem FC Schalke 04 noch Borussia Mönchengladbach um Mo Dahoud bekleckern sich im Rennen um den internationalen Wettbewerb mit Ruhm. Foto: dpa

Christian Heidel hatte einen richtig dicken Hals. „Wenn ich sagen würde, ich hätte schon bessere Tage gehabt, dann wäre das noch leicht untertrieben“, sagte der Manager des FC Schalke 04 nach dem peinlichen 1:2 beim SV Darmstadt 98. Da hatte die Konkurrenz um die internationalen Plätze komplett für die Königsblauen gespielt, und was macht Schalke? Verliert beim Tabellenletzten.

Doch die Schalker befinden sich in bester Gesellschaft. Denn auch Hertha BSC, der SC Freiburg, der 1. FC Köln, Borussia Mönchengladbach und Eintracht Frankfurt scheitern Woche für Woche mehr oder weniger kläglich, sich im Rennen um die internationalen Plätze einen Vorteil zu verschaffen. Und so kommt es, dass sich auf einmal sogar Werder Bremen, vor einigen Wochen noch sicherer Abstiegskandidat, dank einer imposanten Serie von neun Spielen ohne Niederlage Hoffnungen auf einen Platz im Europapokal machen kann.

Auch Risiken

Will denn keiner nach Europa? Doch, Europapokal-Abende haben nach wie vor ihren Reiz, auch wenn eine Qualifikation für einen kleineren Klub wie den SC Freiburg auch Risiken mit sich bringt. Der Kader müsste aufgerüstet, sich an die zusätzliche Belastung erst einmal gewöhnt werden. Faktoren, die Vereine wie den FC Augsburg oder den FSV Mainz 05 zuletzt in arge sportliche Schwierigkeiten gebracht haben.

Das Schneckenrennen nach Europa ist vielmehr Ausdruck davon, dass das Niveau der Bundesliga eben doch nicht so hoch ist, wie es die Protagonisten gerne darstellen. Die Deutsche Fußball Liga verkündet zwar Jahr für Jahr neue finanzielle Rekorde - die Qualität der Spiele in der Weltmeister-Liga ist aber oft bei weitem nicht so gut, wie der Hype um das Milliardengeschäft mit dem runden Leder suggeriert.

"Mehr Gemurkse als sonst was"

Auch Nationalspieler Mario Gomez sieht in der Liga „mehr Gemurkse als sonst was“. „Acht Punkte zwischen Europa League und Abstiegsplatz, das gibt es normalerweise in der dritten und vierten Liga. Man kann das als Stärke oder Schwäche der Liga auslegen, ich finde, das ist Schwäche“, sagte er in einem Interview der „Süddeutschen Zeitung“.

Nicht umsonst liegt der letzte Europapokal-Triumph jetzt auch schon wieder vier Jahre zurück, als die Bayern gegen Borussia Dortmund die Champions League gewannen. 2013 Königsklassen-Titel, 2014 Weltmeister - nichts und niemand schien den deutschen Fußball aufhalten zu können. Doch der Schein trügt - damals und auch heute noch.

"Nicht gerade berauschend"

In der Europa League spielen deutsche Klubs für gewöhnlich keine große Rolle, der letzte Titel stammt aus dem Jahr 1997, als Schalke 04 den damals noch UEFA-Cup heißenden Wettbewerb gewann. Seitdem gibt es im zweiten internationalen Format mehr Pleiten und Pannen als Punkte und Pokale. Auch DFL-Boss Christian Seifert mahnt: „In der Europa League stand zum letzten Mal vor sieben Jahren ein deutscher Klub im Halbfinale. Das ist nicht gerade berauschend.“

In diesem Jahr ist nur noch Schalke im Rennen, steht nach dem kläglichen Auftritt beim 0:2 im Hinspiel gegen Ajax Amsterdam aber auch kurz vor dem Aus. Und in der kommenden Saison?


 

Die Situation bei den Kandidaten im Überblick:

Hertha BSC (5., 43 Punkte): Würde die Hertha in der Fremde nur ansatzweise so punkten wie daheim, das Ticket nach Europa wäre längst sicher. Gut daher: Drei der restlichen fünf Spiele finden vor eigenem Publikum statt.

SC Freiburg (6., 41): Der SC ist neben Champions-League-Aspirant Leipzig die Überraschung der Saison. Allerdings scheint dem Team von Christian Streich auf der Zielgeraden etwas die Luft auszugehen.

1. FC Köln (7., 40): Die Fans sehnen sich nach Europapokal-Abenden. Doch der FC schwächelt, auch weil Anthony Modeste nicht mehr so regelmäßig trifft. Und das Restprogramm hat es in sich.

Werder Bremen (8., 39): Werder ist das Team der Stunde, hat seit neun Spielen nicht mehr verloren. Nach dem Derby-Sieg gegen den HSV sangen Fans und Spieler bereits vom Europapokal. Das Momentum spricht klar für die Grün-Weißen.

Borussia Mönchengladbach (9., 39): Die Borussia hat immer noch mit der Hypothek der Hinrunde zu kämpfen. Nach 17 Spielen betrug der Rückstand auf Platz sechs zwölf Punkte. Unter Trainer Hecking ist das Team deutlich stabiler, doch ob es wieder für Europa reicht?

Eintracht Frankfurt (10., 38): Vom Überraschungsteam der Liga zum großen Sorgenkind. Bei der Eintracht läuft nichts mehr zusammen. Frankfurt ist das zweitschwächste Team der Rückrunde. Schon einmal brach die Eintracht derart ein - und stieg 2011 sogar ab.

FC Schalke 04 (11., 37): Was soll man über Schalke noch sagen? Auch unter dem Duo Weinzierl/Heidel geht es nicht voran. Ganz im Gegenteil. Mit einem Auge muss S04 sogar noch nach unten schauen. Und das, obwohl viele Millionen in neue Spieler investiert wurden. 

Von dpa

Zur Startseite >

Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

Bitte beachten Sie beim Verfassen eines Kommentars unsere Kommentarregeln.

Verkehr ohne Verkehrsregeln führt ins Chaos. Internet-Debatten ohne Verhaltensregeln auch. Deshalb gibt es diese Kommentarregeln. Sie definieren den Rahmen, der eine sachliche, niveauvolle, faire und offene Diskussionskultur möglich machen soll. Wir bitten alle Leserinnen und Leser, sich an die folgenden Regeln zu halten:

  • Registrierung: Um bei uns mitdiskutieren zu können, müssen Sie sich registrieren. Bitte tun Sie dies mit Ihrem tatsächlichen Namen. Wir behalten uns das Recht vor, Accounts mit Fantasienamen zu sperren.
  • Seien Sie freundlich, fair und tolerant! Ein guter Umgangston ist die Grundlage für eine gute Diskussion. Behandeln Sie andere so, wie Sie selbst behandelt werden möchten.
  • Das bedeutet: Keine persönlichen Angriffe auf andere Nutzer! Beleidigende, rassistische, sexistische, vulgäre, hetzerische oder gewaltverherrlichende Töne sind bei uns nicht erwünscht und werden vom Administrator gelöscht. Gleiches gilt für Links auf entsprechende Seiten im Internet.
  • Teilen Sie Informationen mit uns! Schenken Sie uns und den anderen Lesern Ihr Expertenwissen! Schildern Sie uns Ihre Beobachtungen als Augenzeuge! Stellen Sie Fragen und sagen Sie uns, wozu Sie noch mehr erfahren wollen!
  • Das Veröffentlichen urheberrechtlich geschützter Inhalte - zum Beispiel kompletter Artikel anderer Internetseiten - ist nicht erlaubt. Inhalte und Links mit werblichem oder kommerziellem Charakter werden gelöscht.
  • Es ist verboten, private Daten (Adressen, Telefonnummern, E-Mail-Adressen) zu veröffentlichen.
  • Beachten Sie das Thema einer Diskussion - Off-Topic-Beiträge sind unerwünscht.
  • Mit der Teilnahme an der Diskussion erkennen Sie die Kommentarregeln an. Bei Verstößen kann ein Diskussionsteilnehmer dauerhaft ausgeschlossen werden. Eine Registrierung unter einem anderen Namen wird nicht gestattet.
  • Wir behalten uns vor, einzelne Nutzerbeiträge in anderen Medien zu veröffentlichen. Ein Anspruch auf ein Honorar besteht nicht.
  • Bei technischen Problemen schreiben Sie bitte eine E-Mail an online@ruhrnachrichten.de.
Sie können bis zu 1000 Zeichen als Text schreiben.

Mehr aus diesem Ressort

Kommentar: Tedesco verdient eine faire Chance auf Schalke

Tedesco verdient eine faire Chance auf Schalke

GELSENKIRCHENHuub Stevens kam als großer Unbekannter nach Schalke und stieg auf zum Jahrhundert-Trainer, aus dem wie der Messias empfangenen "Don Jupp" Heynckes wurde in relativ kurzer Zeit der uncharmant entlassene "Don Flop". Zwei völlig verschiedene Beispiele, die aber eins belegen: Auf Schalke ist es absolut unmöglich, seriöse Prognosen abzugeben, ob ein neuer Trainer Erfolg haben wird. Das gilt auch und gerade für Domenico Tedesco.

Auch interessant

Weitere Artikel

Nach Oben
© 2016 Verlag Lensing-Wolff GmbH & Co. KG