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Filme und Reality-Soaps: Rentner aus Haltern ist Komparse aus Leidenschaft

HALTERNMan kannte ihn lange als selbstständigen Personalvermittler und Coach in Haltern. Heute engagiert er sich zum Beispiel im Bürgerbusverein. Aber Hans Kirschbaum hat auch noch eine andere Seite. Er steht oft vor Fernseh- und Filmkameras und 2014 postete er sogar auf Facebook: „Hollywood, ich komme!“

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  • Rentner aus Haltern ist Komparse aus Leidenschaft
    Mit diesem Foto bewarb sich Hans Kirsachbaum für den Fußball-Film "Volltreffer" Foto: privat

Dieser Dreh gehörte zu den Höhepunkten seiner „Filmkarriere“. Hans Kirschbaum spielte eine Nebenrolle in dem Film „Die geliebten Schwestern“ unter der Regie von Dominic Graf, den die Bavaria Film produzierte. Es geht um eine mögliche Liaison des jungen Friedrich Schiller mit den Schwestern Caroline und Charlotte von Lengenfeld.

„Der Film lief erfolgreich im Kino und auf vielen Festivals“, erinnert sich Hans Kirschbaum. „Er startete auf der Berlinale 2014 und war für die Kategorie ‚Bester ausländischer Film‘ bei der damaligen Oscarverleihung vorgeschlagen. Und da habe ich das einfach mal gepostet.“

Schnurrbart für 20 Euro abrasiert

Kirschbaum spielt den Diener der Familie Beulwitz. „Ich musste Gepäck auf Zimmer tragen und Kerzen löschen.“ Und er musste seinen Schnurrbart abrasieren, den er seit dem 19. Lebensjahr trägt. „Für 20 Euro extra habe ich eingewilligt“, sagt er schmunzelnd.

Die Schauspielerei begeisterte den gebürtigen Wuppertaler schon als Kind. In der Grundschule machte er bei der Theatergruppe mit, später gehörte er am neuen Wuppertaler Schauspielhaus zu den Gründern der „Jungen Bühne Wuppertal“.

Nach der Rente begann alles in Haltern

„Mit Beginn des Studiums und dann in meinen Berufsjahren geriet das aber in Vergessenheit“, sagt Hans Kirschbaum. Dann half der Zufall nach. 2010 war er in den Ruhestand gegangen, ein Jahr später suchte eine Produktionsfirma in Haltern für einen Filmdreh Komparsen und verteilte einen Aufruf in den Haushalten. „Und da habe ich mich dann gemeldet“, so Hans Kirschbaum.

Gedreht wurde der erste Teil des Kinofilms „Die Vampirschwestern“. „Es war Oktober, zwei bis drei Grad, der Film spielte aber im Sommer. Also haben alle Darsteller ordentlich gefroren. Ich spielte einen Radfahrer, der von der Rekumer Straße auf den Markt fuhr und dort einen Freund begrüßte.“

Bis jetzt an 40 Produktionen mitgewirkt

Eine Woche wurde in Haltern gedreht, ein weiterer Tag in Recklinghausen. „Die Szene auf dem Markt war der Horror“, sagt Hans Kirschbaum. „Sie musste 42 Mal gedreht werden, weil immer wieder etwas dazwischen kam. Mal läuteten die Glocken der Sixtuskirche, mal bellte ein Hund oder Passanten unterhielten sich zu laut. Immer wieder unterbrach der Regisseur.“

Der Kinderfilm kam 2011 in die Kinos. „Beim Film oder Fernsehen läuft nie alles normal“, weiß Hans Kirschbaum heute, nachdem er an über 40 Produktionen mitgewirkt und jede Menge kuriose Erlebnisse durchgestanden hat. „Außerdem besteht die meiste Zeit am Set aus Warten.“

Auch Reality-Soaps auf Privatsendern

Zu einem Dreh wurde er noch auf dem Weg mehrmals umdirigiert. „Schließlich wurde in einem Hotel in Krefeld gedreht. Der Hotelier des ursprünglich geplanten Drehorts in Wuppertal wollte plötzlich 3000 Euro von der Produktionsfirma, die diese nicht bereit war zu zahlen. Und so bin ich x-Mal umdirigiert worden und den halben Tag mit dem Zug durchs Ruhrgebiet gefahren.“

Häufig war er in Reality-Soaps der Privatsender RTL und SAT1 zu sehen, und wirkte auch in Werbefilmen mit. Besonders beeindruckend fand Hans Kirschbaum den Dreh zu dem Film „Die Unsichtbaren“, der das Schicksal von fünf jüdischen Kinder thematisiert, die im Berlin der Nazizeit untergetaucht sind.

Bezahlung auf Mindestlohnniveau

Dieser Film kommt am 24. Oktober in die Kinos, am 16. September startet „Das Löwenmädchen“, eine internationale Koproduktion. Zu den Schauspielern, die die Hauptrollen der Produktionen spielten, gehören unter anderem Hannah Herzsprung, Rolf Lassgard, Burghardt Klaußner, Richy Müller, Tom Gerhardt oder die inzwischen verstorbene Maja Maranow.

Hans Kirschbaum ist manchmal als reiner Komparse, manchmal auch in kleinen Sprechrollen zu sehen. „Reich werden kann man aber damit nicht“, sagt er. „Bezahlt wird auf dem Niveau des Mindestlohns. Es ist und bleibt ein Hobby. Manchmal bleibt nach Abzug der Kosten kaum etwas übrig. Es macht mir aber einen Riesenspaß“, so der Halterner, der sich unter anderem über Internetseiten immer wieder über neue Projekte informiert.

Mit Emotionalität zum Erfolg

„Mir ist es wichtig, mich beim Dreh zu 100 Prozent in eine Figur hinein zu versetzten, um sie glaubwürdig rüberzubringen“, sagt er.

Eigentlich endet das Spielalter für Komparsen bei 55 Jahren. Hans Kirschbaum ist 71. „Ich mache denen aber oft klar, dass sie genau mich gesucht haben. Und wenn man das emotional genug rüberbringt, dann funktioniert es oft auch“, nennt er sein Geheimrezept. Man darf also gespannt sein, in welchen Produktionen der Halterner in Zukunft noch zu sehen sein wird. Jürgen Wolter

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